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  • Veröffentlichungsdatum 06.03.2026
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Patientensteuerung: „Persönlicher Kontakt first – digital second!“

Einen Antrag zur Patient*innensteuerung verabschiedeten Psychotherapeut*innen und Ärzt*innen auf der Vertreterversammlung der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) mit großer Mehrheit. „Wir sind uns einig: Durch gezielte Steuerung können unsere Praxen entlastet, unnötige Termine vermieden und unseren Patient*innen mehr Behandlungszeit zur Verfügung gestellt werden. Aber welche Steuerungsinstrumente sind die richtigen? Gerade psychisch beeinträchtigten Menschen ist es nicht zumutbar, sich in langen Anrufschleifen wiederzufinden und oft auch nicht möglich auf gezielte Fragen unmittelbar offen zu antworten. Es ist fraglich, ob Suizidalität tatsächlich auf diese Art und Weise valide erfasst werden kann. Unser Goldstandard ist und bleibt das persönliche Gespräch“, unterstützte Dr. Anke Pielsticker, Stv. DPtV-Bundesvorsitzende, den Antrag auf der Vertreterversammlung. Gemeinsam mit den Stv. Bundesvorsitzenden Gebhard Hentschel und Michael Ruh unterstützte sie den Antrag, der gemeinsam von Fachärzt*innen und Psychotherapeut*innen gestellt wurde.

„Nur im persönlichen Kontakt gelingt es uns auf der Basis einer etablierten guten therapeutischen Beziehung den psychischen Zustand richtig zu erfassen und Symptome aus ärztlich-psychotherapeutischer Sicht zu bewerten“, betonte Psychotherapeutin Pielsticker. „Die Einschätzung von Dringlichkeit und Schwere einer Erkrankung muss immer durch Ärzt*innen und Psychotherapeut*innen erfolgen. Deshalb gilt für uns statt Digital first: Persönlicher Kontakt first.“

„In der Psychotherapie wird zu Beginn in einer Sprechstunde ein*e Patient*in zunächst diagnostiziert und der erforderliche Versorgungsbedarf festgestellt. Als Psychotherapeut*innen unterstützen wir unsere Patient*innen dabei, die richtige Versorgungsform zu finden“, sagte Pielsticker. „40 Prozent der Patient*innen nehmen nach einer Sprechstunde im Folgejahr keine Psychotherapie in Anspruch, sondern werden anderweitig in die Versorgung eingesteuert. Das persönliche Gespräch ist ein sehr trennscharfes Instrument. Ein digitales Ersteinschätzungsverfahren für Psychotherapie existiert bislang noch nicht, sondern muss erst noch entwickelt werden. Wir sind aktuell dabei, hierzu erste Ideen einzubringen. In der KBV-Klausurtagung hat unsere Vertreterversammlung gemeinsam mit dem Vorstand ein Positionspapier mit Vorschlägen zur Patientensteuerung in der Notfall-, Akut- und Regelversorgung konsentiert: Ambulant passgenau versorgt. Dieses Positionspapier wurde in der Vertreterversammlung mit großer Mehrheit verabschiedet. Als Ärzte und Psychotherapeut*innen sehen wir uns als zentrale erste Anlaufstelle für unsere Patient*innen. Und dann gerne digital second!“