Wissenschaft und Forschung

DPtV-Kooperationsprojekte

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Unzureichende Berücksichtigung reproduktiver Faktoren in der psychotherapeutischen Routineversorgung

Reproduktive Faktoren wie der Menstruationszyklus, die Menopause, hormonelle Verhütung, Kinderwunschbehandlungen, Schwangerschaft und Geburt sind in psychotherapeutischen Behandlungen aus drei Gründen potenziell relevant: als Einflussfaktoren auf die aktuelle Symptomatik, als ätiologischer Faktor bei der ursprünglichen Entstehung der Symptome, und bei der Differenzialdiagnostik. Entsprechend erscheint es sinnvoll, die reproduktive Gesundheit in der Fallkonzeption zu berücksichtigen und gegebenenfalls das psychotherapeutische Vorgehen anzupassen.

Eine in Kooperation mit der DPtV durchgeführte wissenschaftliche Onlinebefragung von Psychotherapeut*innen (mit Approbation oder in Ausbildung, n=390) und Psychotherapiepatient*innen (n=291) durch die Arbeitsgruppe für Experimentelle Psychopathologie der Universität Hildesheim bestätigt, dass beide Gruppen die genannten reproduktive Faktoren als hoch relevant für die Psychotherapie bewerten. Gleichzeitig berichteten die Studienteilnehmenden jedoch, dass sie in der Praxis vergleichsweise selten proaktiv durch Psychotherapeut*innen thematisiert werden. Psychotherapeut*innen gaben an, dass sie ihr Wissen zu diesen Faktoren vor allem auf persönliche Erfahrung stützen, und deutlich weniger auf Aus- und Weiterbildung.

Aus dieser Umfragestudie, deren Ergebnisse nun im internationalen Fachjournal Dialogues in Clinical Neuroscience (https://doi.org/10.1080/19585969.2026.2653598) veröffentlicht wurden, ergibt sich ein deutlicher Bedarf, eine standardisierte und proaktive Erhebung reproduktiver Faktoren in der Routineversorgung zu etablieren. Die Entwicklung passgenauer anamnestischer Instrumente sowie eine geeignete Berücksichtigung dieser Themen in der Aus- und Weiterbildung kann dazu beitragen, diese Lücke in der Psychotherapie zu schließen.

Autor*innen: Sinha Engel, Jana Saskia Langer, Enno Maaß und Jan Richter

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